Barrierefreiheit im Checkout: die acht teuersten Fehler
Der Checkout ist die Stelle, an der Barrierefreiheit Geld kostet — hier bricht der Kauf ab, nicht auf der Startseite.
Automatische Prüfungen scannen meistens die Startseite. Genau dort entsteht aber kein Umsatz. Diese acht Punkte prüfen wir im Bericht Plus deshalb zusätzlich im Checkout.
1. Platzhalter als einzige Beschriftung
Beim Tippen verschwindet der Feldname. Wer den Inhalt nicht mehr sieht, weiß nicht, was eingetragen wurde. Sichtbares Label, Platzhalter nur als Beispiel.
2. Fehler, die man nicht findet
Eine Meldung oben im Formular hilft niemandem, der am Feld steht. Fehler gehören ans Feld, mit aria-describedby und einem Fokus-Wechsel zur ersten fehlerhaften Stelle.
3. Keine Autofill-Hinweise
WCAG 1.3.5 verlangt, dass Name, Adresse, E-Mail und Zahlungsdaten programmatisch erkennbar sind (autocomplete="given-name" usw.). Das spart allen Zeit, nicht nur Menschen mit Behinderung.
4. Zahlungsart nur über Kacheln
Kreditkarte, PayPal oder Rechnung als klickbare Grafiken ohne role="radio"/Beschriftung: Screenreader erkennen keine Auswahl. Als Radiogruppe mit sichtbarem Label umsetzen.
5. Pflichtfelder nur farblich
Ein rotes Sternchen ohne Text und ohne required/aria-required ist für Farbsehschwäche und für Screenreader unsichtbar.
6. Fokus springt nach dem Absenden
Nach „Bestellung prüfen" landet der Fokus wieder am Seitenanfang statt an der Zusammenfassung. Tastaturnutzer müssen sich durch die ganze Seite arbeiten.
7. Countdown im Checkout
Reservierungs-Timer laufen ohne aria-live und ohne Möglichkeit, sie zu verlängern. WCAG 2.2.1 verlangt eine Einstellmöglichkeit bei Zeitlimits.
8. Bestellübersicht ohne Struktur
Preise, Versand und Summe stehen in Divs statt in einer Tabelle oder Liste mit Beschriftungen. Vorgelesen ergibt das eine Zahlenkette ohne Bedeutung.
Warum der Checkout der wichtigste Teil ist
Ein Kunde, der am Formular scheitert, kommt nicht wieder. Barrierefreiheit im Checkout ist deshalb kein Compliance-Thema, sondern Umsatz: klarere Beschriftungen, angekündigte Fehler und funktionierendes Autofill verkürzen die Bestellung für alle — und machen sie für Menschen mit Behinderung überhaupt erst möglich.
Was wir prüfen und was nicht
Wir prüfen den Checkout technisch (Beschriftungen, Rollen, Fokusführung, Fehlermeldungen, Zielgrößen) und dokumentieren jeden Befund mit Screenshot. Wir lösen keinen Testkauf aus und berühren keine Zahlungsdaten. Ein echter Test mit Screenreader und ein Testkauf bleiben manuell.
Shopware-Shop? Die häufigsten Fehler dort. WooCommerce-Shop? Hier entlang.
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Automatisierter Check. Keine Rechtsberatung, keine Zusicherung der BFSG-Konformität.