BFSG in der Praxis: 50 deutsche Online-Shops im Test

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Die Marktüberwachung der Länder hat im Januar 2026 ihre Prüfstrategie vorgelegt und bis Anfang Juni rund 700 Meldungen erhalten. Wie es um die Umsetzung in der Praxis steht, war offen. Wir haben nachgemessen.

Ergebnis in einem Satz

84 % der maschinell prüfbaren großen deutschen Online-Shops zeigen auf der Startseite Befunde gegen WCAG 2.2 AA, 42 % sogar kritische — und 30 % lassen sich automatisiert gar nicht prüfen.

Die Zahlen

Stichprobe und Ergebnis, Stand 05.11.2026
Geprüfte Startseiten50
Automatisch prüfbar31 (62 %)
Durch Bot-Schutz blockiert (HTTP 403)15 (30 %)
Domain nicht erreichbar4
Shops mit mindestens einem Befund26 von 31 (84 %)
Shops mit mindestens einem kritischen Befund13 von 31 (42 %)
Betroffene Elemente insgesamt569

Die häufigsten Befunde

Befunde nach Anzahl betroffener Shops und Elemente
BefundShopsElemente
Sichtbarer Text und zugänglicher Name stimmen nicht überein
label-content-name-mismatch
19173
Klickziel zu klein (unter 24 × 24 Pixel)
target-size
1176
Zu geringer Farbkontrast bei Texten
color-contrast
964
Link ohne erkennbaren Namen
link-name
749
ARIA-Rolle ohne erforderliche Kindelemente
aria-required-children
512
Versteckte Elemente sind per Tastatur erreichbar
aria-hidden-focus
49
Schaltfläche ohne erkennbaren Namen
button-name
437
Bild ohne Alternativtext
image-alt
310

Der häufigste Befund ist bemerkenswert, weil er so billig zu beheben ist: Sichtbarer Text einer Schaltfläche und ihr zugänglicher Name weichen voneinander ab, meistens wegen eines zusätzlichen aria-label. Wer das Label weglässt oder angleicht, hat den Befund in Minuten erledigt — und Screenreader-Nutzer können die Schaltfläche wieder ansagen lassen, was sie tatsächlich tut.

Was das nicht heißt

Diese Untersuchung ist eine automatisierte Prüfung der Startseite. Sie ist keine Aussage darüber, ob ein Shop das BFSG erfüllt, und sie ist keine Rechtsberatung. Automatisierte Werkzeuge finden je nach Quelle nur einen Teil der WCAG-Anforderungen; Tastaturbedienung, Screenreader-Nutzung, Verständlichkeit von Inhalten, PDFs und Checkout-Strecken bleiben ungeprüft. Ein sauberes Ergebnis in dieser Prüfung ist deshalb kein Freispruch — ein schlechtes Ergebnis aber ein belastbarer Hinweis, dass Handlungsbedarf besteht.

Shops, die automatisierte Prüfungen blockieren, sind nicht automatisch problematisch. Sie sind für uns nur nicht messbar. Wir nennen in dieser Auswertung bewusst keine einzelnen Shops.

Methodik

Geprüft wurden die Startseiten von 50 großen deutschen Verbraucher-Shops am 05.11.2026. Werkzeug: axe-core mit dem Tag-Set WCAG 2.1 A/AA und WCAG 2.2 AA, ausgeführt in einem Chromium-Browser, Viewport 1440 × 900, Sprache de-DE. Vor der Analyse wurde ein vorhandener Cookie-Banner abgelehnt, damit nicht die Einwilligungsebene statt des Shops bewertet wird. Seiten mit auffällig wenig Text wurden nicht als Befund gewertet. Ein Befund ist eine verletzte Regel; „Elemente" sind die betroffenen DOM-Knoten.

Selbst prüfen

Der Schnellcheck auf dieser Seite prüft eine beliebige Seite mit derselben Technik, kostenlos und ohne Anmeldung. Für einen vollständigen Bericht über bis zu 25 Seiten Ihres Shops, mit priorisierter Befundliste und Umsetzungshinweisen, gibt es den Bericht für 49 Euro.

Shop kostenlos prüfen Preise ansehen

Automatisierter Check. Keine Rechtsberatung, keine Zusicherung der BFSG-Konformität.